Montenegro kulinarisch - Essen & Trinken

ein Streifzug durch eine kulinarische Vielfalt von mediterran leicht an der Küste bis hin zu deftig in den Bergregionen

Martina & Günther

Martina & Günther

Montenegro

Vorneweg bemerkt: Die Mehrheit der Montenegriner sind leidenschaftliche Fleischesser, so spielen die Beilagen und Gemüsegerichte eine eher untergeordnete Rolle.

Und trotzdem hat das kleine Land ein reichhaltiges Angebot an kulinarischen Köstlichkeiten zu bieten. Wie in allen anderen Ländern der Westbalkanregion auch wurde die Küche von zahlreichen Völkern und geografischen Gegebenheiten beeinflusst. Daher ist auch selbstverständlich, dass an der Küste die mediterrane Küche dominiert. Fische (ribe) gibt es reichlich, über 100 Sorten, darunter der St. Peters-Fisch, Barben, Brassen, Barsche, Drachenkopf, Makrelen uvm. Meist kommen sie gegrillt (na žaru/sa roštilja) auf den Tisch, verfeinert mit Olivenöl und vielen Kräutern, unter anderem auch Rosmarin und Petersilie sowie reichlich Knoblauch. Die klassische Beilage dazu ist ein gemischter Salat mit Tomaten, Zwiebeln, Paprika und etwas Schafskäse oder/und Kartoffeln. Auch Meeresfrüchte (riblja) - Muscheln, Garnelen, Tintenfische und Krebse werden auf diese Art zubereitet. Brodetto ist ein Fischtopf mit gemischten kleinen Fischen. Auch die klare Fischsuppe, verfeinert mit Olivenöl und Wein, ist eine Küstenspezialität. Richtig günstig sind die Preise hier aber dank des Euro nicht mehr. Ebenso berühmt für wirklich gute Fischgerichte ist die Region um den Skadar See. Hier wird Karpfen besonders wohlschmeckend zubereitet, oft serviert mit Obst wie Pflaumen, Quitten und Äpfeln. Auch Aal, gegrillt oder mit Reis, ist eine Spezialität dieser Region. Gleichermaßen schmackhaft zubereitet werden getrocknete und geräucherte Fische, wie z. B. Ukeleien, Aale und Makrelen. In flussnahen Regionen legt man Forellen gerne in Sauermilch ein, sie werden kalt gegessen, mit frischem Brot als Beilage.

Abseits der Küste und in den Bergregionen geht es schon deftiger zu, alles was der eigene Hof hergibt, kommt dort auf den Tisch - in Bioqualität natürlich. Hier spielt Fleisch (meso) eine sehr große Rolle, es dominieren kräftig zubereitete Gerichte. Lamm, Rind und Schwein werden oft am Spieß gegrillt oder zu zahlreichen Hackvariationen verarbeitet. Auch Wild bereichert den Speiseplan.

Eine sehr typische Zubereitungsart ist das Garen von Fleisch unter dem Sartsch. Dies ist ein Metalldeckel in Form einer flachen Glocke, der mit Glut und Asche bedeckt wird. So bleibt das Fleisch saftig und die Beilagen werden schonend mitgegart. Ursprünglich handelte es sich dabei um eine traditionelle Kochmethode aus ländlichen Gebieten, zahlreiche Restaurants haben sie übernommen. Sehr beliebt ist die Variante mit Rind oder Lamm, oft serviert mit Kartoffeln oder einer Käsepolenta. Lamm in Milch oder getrocknetes Schaffleisch gehört ebenso zu beliebten Fleischgerichten. In muslimischen Regionen wird zum Teil auf Schweinefleisch verzichtet.

Vegetarische Abwechslung bieten rustikal und nahrhaft zubereitete Gemüseeintöpfe (povrće). Eine Salatspezialität besteht aus geraspeltem Kraut mit schwarzen Oliven und Olivenöl.

Ferner sind gesunde Milchprodukte (mjileko) sehr beliebt und werden oft mit warmen Fladenbrot serviert. Brot (hleb) schmeckt übrigens überall etwas anders, jede Familie hat ihr eigenes Rezept für Hausgebackenes. Zu den traditionellen fleischlosen Berggerichten zählen der Kačamak, eine Art Polenta mit Kartoffeln und Käse sowie Cicvara, ein Brei aus Weizen-, Maismehl und Käse.

Berühmt für seinen luftgetrockneten Schinken (njeguški pršut) und andere herzhafte Wurstspezialitäten sowie Käse ist das Bergdorf Njeguši im Lovćen-Nationalpark. Das Fleisch erhält seinen besonderen Geschmack durch die kontinentale Luft, Meereswinde und das Räuchern mit einer speziellen Art von Nadelhölzern. Auch der Honigwein von hier ist eine Delikatesse. Leider zahlt man das Ambiente und die Umgebung mit - günstiger bekommt man die Spezialitäten in einem der hervorragend sortierten Supermärkte. Dort gibt es zudem zahlreiche andere schwarzgeräucherte Wurstspezialitäten zu erschwinglichen Preisen.

Pasta, Pizza & Co. findet man nicht nur in den Küstenorten, Italiens Spuren ziehen sich durch das ganze Land. Ferner hat Fast-Food schon lange flächendeckend Einzug gehalten, besser man hält sich an die montenegrinische Variante: Pita oder Burek. Hier sind das Jufka-Blätter mit Käse, Spinat oder Fleisch gefüllt, in Bäckereien wird oft ein Glas Joghurt dazu angeboten.

Ein landestypischer Nachtisch ist „Rozata“, ein reichhaltiger Pudding mit Karamell. Genauso lecker ist der Käsekuchen „Sirnica“. Manchmal gibt es aber auch einfach erfrischendes saiso-nales, heimisches Obst (voće).

Und für den Durst? Das landeseigene „Nikšićko pivo“ aus der großen Brauerei in Nikšić ist überaus schmackhaft und erfrischend. Gebraut wird auch eine dunkle Variante. Nach dem Essen trinkt man gerne einen Espresso oder einen türkischen Kaffee, man nennt ihn „Einheimischer“ (domaća kafa), dazu gibt es stets ein Glas stilles Mineralwasser. Der Süden ist reich an Weinanbaugebieten. Von hier stammen sehr gute Weine wie der rote Vranac oder der weiße Krstac. Die Region Duklija ist bekannt für die lieblichen Sorten. Auch der Merlot, Sauvignon und Chardonay sind hier eine gute Wahl. Wie überall auf dem Balkan setzt man auch in Montenegro gerne auf Hochprozentiges. Im Norden des Landes bevorzugt man den Pflaumenschnaps Šljivovica, an der Küste genießt man eine montenegrinische Version des Grappa mit mindestens 45%, den Rakija. Beide Schnäpse werden in kleinen Betrieben mit hervorragender Qualität angeboten. Rein antialkoholisch aber sehr lecker sowie erfrischend ist die frische, dickflüssige Schafsmilch Jardum. Das Leitungswasser ist meist trinkbar, wirklich hervorragendes Trinkwasser spenden die wenigen natürlichen Berg- und auch Klosterquellen.

Hier einige Spezialitäten:

Balšica tava - Kalbfleischstreifen mit einer Sauce aus Milch, Sahne und Eiern;

Brodet - mehrere Sorten Kleinfische im Sud aus Zwiebeln, Knoblauch, Kräutern, Wein und Olivenöl als Eintopf, mit Polenta serviert;

Buzara - Meeresfrüchte mit Kräutern, Olivenöl und Wein;

Crni Rižot - von Tintenfisch schwarz gefärbter Risotto;

Imam bajeldi - gebratene Auberginen mit einer deftig-würzigen Knoblauch-Zwiebel-Tomaten-Kräuter-Mischung;

Jagnjetina u mlijeku - in Milch geschmortes Lammfleisch;

Japraci - Kalbsrouladen mit Grünkohl oder Kraut;

Kajmak - Schichtkäse aus frischem Rahm, oft mit Kräutern;

Krap u tavu - Karpfen aus der Pfanne (oder andere Großfische);

Njeguška šnicla - Schweineschnitzel mit Schinken und Käse;

Pašticida - geschmortes Rindfleisch mit Zwiebeln und Karotten;

Paštrovski makaruli - Vollkornnudeln mit Olivenöl und Schafskäse aus der Lake, auch überbacken;

Pastrmka u kiselom mlijeku - Forelle in Sauermilch oder Joghurt eingelegt, wird kalt gegessen mit frischem Brot;

Priganice - in Öl frittierte Teigbällchen mit Honig oder Sirup serviert;

Riblja juha - Fischsuppe - regional unterschiedlich;

Rižot - Risotto mit verschiedenen Zutaten, Meeresfrüchten, Gemüse oder Pilzen;

Anders als in anderen südlichen Ländern legen die Montenegriner Wert auf ein Frühstück, oft mit frischem Brot, Käse, Milch und Joghurt, daher gibt es diesbezüglich auch ein umfangreiches Angebot. Die Hauptmahlzeit ist das späte Mittagessen, meist mit warmen Speisen und für das gesellige Beisammensein wählt man das ebenso recht späte Abendmahl ab 20 Uhr, jedoch mit kalten Gerichten. Die authentischsten Gerichte bekommt man wohl in den sogenannten Konobas, rustikalen Gaststätten, welche auch die Einheimischen gerne besuchen.

Broschüre für Kulinariker: www.montenegro.travel/files/multimedija/87748519.pdf

Na dann: Prijatno und Živjeli! (Guten Appetit und Zum Wohl!)

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