Linksverkehr und Single Track

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Schottland, United Kingdom

Linksverkehr

Eine der häufigsten Fragen, die man als Schottlandfahrer gestellt bekommt, ist natürlich die nach dem Linksverkehr.

Und es wäre natürlich voll gelogen, wenn ich vor dem ersten Mal nicht auch ordentlich Schiss gehabt hätte. Aber das ist auch gut so. Denn dadurch fährt man in den ersten Tagen sehr konzentriert und kann sich so richtig in das fahren auf der „falschen“ Seite eingrooven.

Nach meiner Erfahrung geht das erstaunlich schnell.

Es hängt sicherlich auch ein wenig davon ab, wie erfahren ihr sowohl als Autofahrer als auch mit einem großen Wohnmobil seid. Aber eni großer Vorteil sind die englischen und schottischen Autofahrer. Die habe ich, anders als die Deutschen, als eher defensiv und zuvorkommend kennengelernt. Ganz selbstverständlich wird man beim Einfädeln reingelassen oder der Hintermann geht vom Gas. Ausnahmen wie manche Truckdriver auf den Nebenstrecken bestätigen da nur die Regel. Wenn du da defensiv fährst, solletst du unfallfrei auch wieder nach Hause kommen.

In der allgemeinen Verkehrsführung habe ich sowohl die Beschilderung, als auch die Straßenbeschriftung (insbesondere in Kreisverkehren) als enorm hilfreich empfunden. Wenn auf deiner Fahrspur steht, dass du auf der richtigen Straßennummer unterwegs bist, dann bleibe einfach auf genau dieser Spur. Wunderbar! In den Kreisverkehren ist die innere von zwei Spuren in der Regel die richtige, wenn du „rechts abbiegen“ willst.

Es gibt im Linksverkehr für mich genau drei kritische Situationen:

1. Links abbiegen

Mache dir zur Gewohnheit, hier besonders den Kopf einzuschalten. Beifahrer fragen, ob wirklich keiner von rechts kommt. Du selbst kannst hier relativ schlecht schauen, weil heranfahrende Autos im toten winkel sein können.

2. Rechts abbiegen

Gerade in den ersten Tagen musst du dich umstellen. Während wir aus Deutschland gewöhnt sind, dass wir beim rechts abbiegen fahren können, wenn von links niemand kommt, ist das hier ein Rezept für ein Disaster! Da du die Mittelspur überqueren musst, könnte ein Fahrzeug von rechts in dich hineinfahren!

3. Gewöhnung

Die größte Gefahr lauert, wenn du schon eine Woche unterwegs bist und denkst, dass du das jetzt ja im Griff hast mit dem Linksverkehr. Denn dann wirst du unaufmerksam. Und wenn du dann an einer Tankstelle an einer wenig befahrenen Straße losfährst, machst du das, was du immer machst: rechts fahren.

Entweder hast du einen guten Beifahrer, der dich darauf aufmerksam macht oder du kassierst eine Lichthupe und einen zurecht fluchenden Schotten im Auto vor dir.

Ich hoffe, dass dir all das nicht passiert und das du eine großartige Zeit mit Linksverkehr in Schottland erlebst!

Single Track

Vielleicht magst du es nicht glauben, aber wir lieben Single Tracks!

Aus Deutschland bist du es nicht gewohnt, dass dir minutenlang kein einziges Fahrzeug entgegenkommt. Es ist für uns Deutsche schlicht nicht vorstellbar, dass auf einer Straße wenig Verkehr herrscht. In den Highlands ist dies aber der Normalfall. Was sich für Schottland-Novizen äußerst skurril und besorgniserregend anhört, ist in den Highlands schlicht und einfach sinnvoll. Warum mehr Straße bauen als nötig?

In der Praxis funktioniert das wunderbar, wenn sich alle an die Spielregeln halten. Die Schotten sind darin meisterhaft.

Rücksicht nehmen

Du fährst ein großes Fahrzeug, bist sehr vorsichtig oder willst einfach nur die Landschaft genießen und hinter dir sammelt sich eine Schlange? Bitte fahre in die nächste Ausweichstelle (sie ist nie weit entfernt) und lass die Autos hinter dir passieren.

So hast du weniger Stress und die Locals, die zum EInkaufen oder Arbeiten müssen, bedanken sich mit Hupe oder Warnblinker. Win - win!

Aber Achtung: Passing Places sind nie Parkplätze. Wenn du dich richtig unbeliebt machen willst, benutzt du den Passing Place als Parkplatz. Nicht okay. Solltest du das trotzdem nicht so schlimm finden, wünsche ich dir, dass du mal 500 Meter rückwärts auf einer Passstraße fahren darfst, weil es solche Idioten natürlich gibt. Vielleicht wird dann die Funktion dieser wichtigen Ausweichstellen klar. Aber ich weiß ja, dass die Leser unseres Blogs nette Menschen sind und sich nicht bei den Einheimischen unbeliebt machen wollen.

Vorausschauend fahren

Du siehst, dass dir ein Fahrzeug entgegenkommt und hast gerade einen prima Passing Place vor dir? Nutze ihn und lass den anderen passieren!

Die Chancen stehen übrigens gut, dass dein Gegenüber schneller als du reagiert und seinerseits schon in einer Ausweichstelle steht, bevor du überhaupt darüber nachgedacht hast. Er wird dir in der Regel mit Lichthupe ein Zeichen geben, dass du fahren darfst. Bedanken nicht vergessen!

Update 6/26: Hochmut kommt vor dem Fall

Was musste natürlich passieren, nachdem ich meinen Ratgeber geschrieben habe? Richtig, ein Unfall. Und ich muss gestehen: Wenn ich mich an meinen eigenen Ratschlag gehalten hätte, wäre er nicht passiert. Deswegen also hier für euch der Bericht, wie man es nicht machen sollte:

Als mittlerweile erfahrener Linksfahrer, der keinen höheren Puls mehr hat, wenn er von der Fähre kommt, habe ich mich schlicht und einfach überschätzt. Auf der schmalen A83 auf der Kintyre-Halbinsel kam ich problemlos zurecht. Aber es gibt in Schottland gerne auch mal Stellen wie z.B. an einer Steinbrücke, wo die Fahrbahn dann noch einmal die entscheidenden Zentimeter schmaler wird.

Uns kam ein anderes Wohnmobil entgegen und wir beide waren der Meinung "Passt scho". Passte nicht. Ein heftiger Knall und der Spiegel war weg. Also, nicht direkt weg. Aber eben auch nicht mehr an der Stelle, wo er hingehört.

Dieses unschöne Erlebnis wäre zu 100% vermeidbar gewesen, wenn ich auf meinen Ratschlag "Vorausschauend fahren" beherzigt hätte. Fuß vom Gas, vielleicht auch leicht auf die Bremse treten und die Sache wäre nicht passiert.

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