Dieser prächtige viktorianische Friedhof ist den Einheimischen auch als „Insel der Toten“ bekannt, da sich die Grabstätte an einem ungewöhnlichen Ort auf einem kleinen Hügel befindet, umgeben von einem Ring belebter Straßen. Im Jahr 1827 wurde das Grundstück von der Reformierten Kirche der Schweiz erworben und wurde der erste protestantische Friedhof in Florenz. Er bot vielen Dichtern, Schriftstellern, Bildhauern, Wissenschaftlern und Künstlern eine letzte Ruhestätte, darunter der berühmten Dichterin Elizabeth Barrett Browning und den letzten Nachkommen von William Shakespeare. Über tausend nicht-katholische Menschen aus verschiedenen Ländern sind hier begraben, die meisten jedoch mit angelsächsischen Wurzeln, daher erhielt der Friedhof den Namen „Der Englische Friedhof“.
Der bescheidene, aber faszinierende Friedhof beherbergt eine Reihe künstlerischer Gräber und Denkmäler, die von namhaften Bildhauern des 19. Jahrhunderts geschaffen wurden. Ich liebte das fließende Design und die verschiedenen erhöhten Ebenen, die mit Zypressen und wildem Laubwerk verwoben waren und eine eher poetische und erhabene Atmosphäre schufen.
Wenn du das bezaubernde Gelände betrittst, siehst du einen Schotterweg, der den Hügel hinauf zu einer großen Gedenksäule führt, die von Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, gestiftet wurde. Etwa auf halber Höhe entdeckst du den großen weißen Marmorsarkophag von Elizabeth Barrett Browning, der ein elegantes Porträt in einem Medaillon an der Seite ihres Grabes zeigt, umrahmt von einem wunderschönen Rosenbusch.
Im zentralen Bereich oben am Hang findest du viele bemerkenswerte Beispiele von Memento Mori in Form von geflügelten Sanduhren in vielen verschiedenen Formen und Größen. Besonders ins Auge fiel mir eine Truhe mit einer Sanduhr, die fledermausförmige Flügel an der Seite geschnitzt hatte!
Wenn du die unteren Ebenen des Friedhofs erkundest, gibt es noch viele weitere hochkünstlerische Gräber zu bestaunen, darunter das emotionale Denkmal für den Anthropologen Arnold Savage Landor, das eine bewegende Statue seiner trauernden Mutter voller Kummer mit dem Kopf in den Händen darstellt.
Im südwestlichen Teil des Friedhofs findest du einen der interessantesten Bewohner: eine lebensgroße Schnitzerei eines Sensenmanns, der eine Sense hält. Das aufwendige Design dieser makabren, verhüllten Figur ist wirklich erstaunlich, mit ihrer scharfen Knochenstruktur, grinsenden Zähnen und einem verwitterten Tuch, das ihre Augenhöhlen bedeckt. Das Grab gehört Andrea di Mariano Casentini, der 1870 starb, aber es bleibt ein Rätsel, warum die Familie diese Skulptur in Auftrag gab, um den Tod ihres Kindes zu gedenken.
Während du gerne über den Friedhof schlenderst, halte Ausschau nach weiterer Bestattungsikonografie, darunter Ouroboros, die den Kreislauf des Lebens bedeuten, und Pelikane, die ihre Jungen füttern und Opfer symbolisieren.