Ulpiana, auch Justiniana Secunda genannt, war eine antike römische Siedlung in der damaligen Provinz Moesia, gegründet vom römischen Kaiser Marcus Ulpius Traianus (98-117 n. Chr.). Bereits im 8. Jhd. v. Chr. siedelte in der fruchtbaren Gegend ein illyrischer Stamm, archäologische Funde lassen jedoch bereits auf eine Besiedelung in der Bronze- oder Eisenzeit schließen. Unter Kaiser Hadrian (117-138) hatte Ulpiana, welches verkehrsgünstig am Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen lag, die Rom mit Konstantinopel verbanden, den Status eines Municipiums und unterstand somit in allen Belangen der Reichshauptstadt Rom. Im 3. Jhd. n. Chr. gehörte sie nach einer Verwaltungsreform des Kaisers Diokletian zur Provinz Dardania und erlebte zu dieser Zeit ihren Höhepunkt.
Nach einer ersten Verwüstung und Besetzung durch Ostgoten im 5. Jhd. zerstörte 518 ein Erdbeben die Stadt, Kaiser Justinian (527-565), der aus der Region stammte, veranlasste einen schnellen Wiederaufbau und verlieh ihr den Namen Iustiniana Secunda. Zu ihrem Schutz erhielt der Ort Stadtmauern und ein riesiges Militärlager, er hatte eine Fläche von gut 120 Hektar. Zeitgleich wurde Iustiniana Bischofssitz und spielte bei der Verbreitung des Christentums im dardanischen Raum eine große Rolle. Später ging daraus das Titularbistum Ulpiana hervor. Nach einer erneuten, kurzen Blütezeit wurde die Stadt im Rahmen von Slawenplünderungen im frühen 7. Jhd. zerstört und verlassen.
Ab 1953 bis 1987 erfolgten umfangreiche Ausgrabungen. Man legte die Mauern, die Fundamente einer frühchristlichen Basilika, Mosaiken und reichlich Skulpturen frei, 1982 entdeckte man mitten im Zentrum einen Friedhof aus der Eisenzeit, sprich mindestens aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. Im Süden der Stadt stieß man bei Wasserrohrverlegungen auf die Ruinen eines Gebäudes mit schönen Mosaiken. 1974 fand man unweit der Stätte in einem Hügel das Grab einer Prinzessin aus dem 3. Jhd. v. Chr., zudem einen kleinen Schatz an Silberschmuck, Parfümflaschen und Alltagsgegenständen. Im Norden des Geländes gehört zu den eindrücklichsten Funden eine frühgeschichtliche Nekropole mit einem gewaltigen, marmornen Sarkophag.
Mit dem Einsatz von Luftfotografie konnte man in den Jahren danach ohne teure Grabungen weitere Gebäude finden und beschreiben, darunter ein öffentliches Bad, das Forum, die Taufkapelle und die Bischofsresidenz. Inzwischen wird das etwa 100 Hektar große Gebiet durch deutsche und französische Archäologen mit modernen Sonden geophysikalisch abgesucht, man vermutet noch einen gewaltigen Kulturschatz unter der Erde.
Zu den wertvollsten Funden neben den Ruinen zählt die Skulptur eines Frauenkopfes, 18 cm hoch, aus feinstem, weißen Marmor sehr detailgetreu gefertigt, er stammt aus dem 4. Jhd. Das männliche Pendant ist 33 cm hoch und war Teil einer lebensgroßen Statue. Die ausdrucksstarke Modellierung wurde im 3. Jhd. gefertigt. Einem kleinen drallen, gelockten Eroskopf mit 16 cm Höhe konnte man noch keine Bedeutung und exakte Entstehungszeit zuordnen. Die „Tragische Maske“ ist eine sehr plastisch und grotesk gestaltete Requisite für Theateraufführungen, aus grauem Marmor, gut 28 cm hoch und stammt aus dem 2 Jhd.
Ulpiana ist ein sehr gepflegter, gut strukturierter Archäologiepark, der Zeitaufwand beträgt etwa 1,5 Stunden. Vor dem Gelände befindet sich ein großer Parkplatz. Geöffnet Mo-Sa, 9-15 h, aktuell noch kein Eintritt zu entrichten.