Prekaz - Adem Jashari Memorial Complex (Westen)
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Martina & GüntherKosovo - wir sehen uns!

Einer der ergreifendsten Orte im Kosovo ist das kleine Dorf Prekaz bei Skënderaj, Anfang März 1998 erlangte es traurige Weltberühmtheit und ist inzwischen zum politischen Wallfahrtsort der Albaner im Kosovo geworden. Hier liegt der Volksheld Adem Jashari in seinem Heimatdorf begraben. Und mit ihm 54 seiner Familienmitglieder und 4 weitere Dorfbewohner.

Am 05.03.1998 erfolgte von einer serbischen Einheit für Terrorismusbekämpfung ein Angriff auf Prekaz, mit dem später offiziell behaupteten Hintergrund Terroristen zu fassen. Die Operation, welche als Prekaz-Massaker in die Geschichte einging, war jedoch nicht dazu bestimmt, bewaffnete Albaner auszuschalten, sondern ein persönlicher Angriff auf den Anführer der kosovarischen Befreiungsorganisation (KLA, auch UÇK) mit dem Plan, ihn mitsamt seiner Familie zu eliminieren. Ein grausames, rücksichtsloses und kompromissloses Unterfangen. Der Überfall nahm tatsächlich ein tragisches Ende, bei dem der Führer, sein Bruder Hamëz und fast seine gesamte Familie mit Frauen und Kindern brutal hingerichtet wurden.

Bereits 1991 machten es sich Adem Jashari und sein Bruder Hamëz zur langjärigen Aufgabe, als Mitglieder der UÇK den Kosovo von Jugoslawien zu lösen. Im Januar 1998 wurde Jashari, der inzwischen Anführer der Organisation war, wegen Mordes an einem serbischen Polizisten verhaftet, konnte jedoch kurz darauf fliehen, woraufhin serbische Streitkräfte das Dorf Prekaz attackierten, jedoch ohne Jashari zu fassen. Im Februar kam es immer wieder zu bewaffneten, angeblich von der UÇK angezettelten Auseinandersetzungen in den umliegenden Dörfern, wobei mehr Albaner als Serben ums Leben kamen. Eine Aufforderung der Serben an den Anführer sich selbst auszuliefern, wurde von ihm immer wieder ignoriert. Bis nach einem Angriff am 05. März auf eine serbische Polizeistreife die Situation eskalierte.

Mehrere hundert Männer der jugoslawischen Armee und serbischen Polizei drangen in das Dorf Prekaz ein und forderten Jashari auf, sich binnen zwei Stunden zu ergeben. Die Familie hatte sich in den Wohnhäusern verschanzt. Nach Ablauf der Zweistundenfrist weigerten sich die Jasharis immer noch, auf die Forderungen einzugehen. Auf verbale Auseinandersetzungen und einen Versuch, sich mit Waffen zu verteidigen, kreiste man die Wohnhäuser von vier Seiten ein, attackierte sie mit Granaten und setzte sie in Brand. Das Massaker dauerte drei Tage, am 07. März wurde das Anwesen endgültig bezwungen. Zu den ganz wenigen Überlebenden gehörte Hamëz Jasharis Tochter. Sie wurde von den Polizisten dazu gezwungen, auszusagen, ihr Onkel habe alle getötet, die versucht hätten sich zu ergeben. Vom serbischen Innenministerium wurde behauptet, Jashari hätte seine Familienmitglieder als Geiseln gehalten und der Übergriff wäre ein ganz normaler Polizeieinsatz gegen einen gesuchten Verbrecher gewesen.

Am 09. März warnte die Polizei, wenn die Leichen nicht sofort von ihren Familien begraben werden, würden dies die Behörden tun. Die wenigen Angehörigen (einige befanden sich zur Ausbildung im Ausland) aber forderten eine Autopsie. Am 10. März hob die Polizei mit einem Bulldozer ein Massengrab für die Leichen aus, von denen zehn noch nicht offiziell identifiziert worden waren. Doch Ärzten, verbliebenen Familienmitgliedern, Vertretern der Kirche und der Menschenrechtsorganisationen wurde der Zugang verweigert. Am 11. März wurden die Leichen bestattet. 42 helfende Albaner starben aufgrund von Infektionen. Unmittelbar darauf beschuldigte die serbische Polizei verschiedene Verbände, Waffen nach Prekaz geschmuggelt und somit indirekt die Jasharis unterstützt zu haben.

Das Massaker von Prekaz bewirkte einen raschen Anstieg der Popularität der UÇK, deren Mitgliederzahl stark stieg. Jashari selbst wurde von jugoslawischen Medien immer wieder als Terrorist dargestellt, während ihn die Albaner als Freiheitskämpfer und Märtyrer verehrten und dies immer noch tun. Über das ganze Land verteilt fanden Proteste gegen den Angriff statt, der mitunter schließlich ein Auslöser für den Krieg ein Jahr später war. Heute ist Prekaz ein Ehrfurcht vermittelnder, sehr ergreifender Ort. Die provisorische Bestattungsstelle ist inzwischen einem Andachtspark mit Spazierwegen, Springbrunnen und edlen, von fast reglosen Soldaten bewachten, Marmorgräbern gewichen.

Die ehemaligen Wohngebäude der Familie Jashari wurden als Ruinen im damaligen Zustand belassen und bilden ein Bestürzung auslösendes Mahnmal. Gegenüber des gepflegten Parks befindet sich ein Museum, welches sehr anschaulich und erschütternd das Leben und den Tod des Volkshelden und seiner Familie dokumentiert (Eintritt frei).

1 h

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