Bevor es eine Kapelle war, war es ein Felsen. Bevor es christlich war, war es ein heidnischer Altar – und die Azulejo-Inschrift am Eingang besagt es deutlich: „Der Ort, an dem diese Kapelle des Herrn des Steins steht, ist zweifellos die älteste Kultstätte der Gemeinde. Bevor hier Christus gefeiert wurde, war es ein heidnischer Altar.“ Zweitausend Jahre ununterbrochener Kult, destilliert in einem einzigen Granitfelsen an der Atlantikküste.
Die sechseckige Kapelle kehrt dem Meer den Rücken zu – als würde sie es nicht anerkennen wollen. Doch das Meer war immer der entscheidende Punkt. Der Felsen ist kein Fundament für die Kapelle. Der Felsen ist die heilige Stätte selbst. Die Kapelle ist lediglich ihre jüngste Maske.
In Vollmondnächten findet man immer noch geschmolzene Kerzen auf den Felsen und im Sand neben dem Bauwerk. Die jährliche Prozession am Dreifaltigkeitssonntag zieht Pilger aus entfernten Städten an – ein Beweis dafür, dass dies schon lange vor seinem christlichen Namen ein Treffpunkt war. Die Schwelle zwischen Land und Atlantik brauchte schon immer einen Wächter. Hier haben sie einen gebaut.