In der griechisch-römischen Mythologie war der Lethe der Fluss, der die Welt der Lebenden von der Welt der Toten trennte. Die Seelen der Verstorbenen versammelten sich an seinen Ufern, tranken sein Wasser, und jede Erinnerung an ihr früheres Leben löste sich auf. Erst dann konnten sie in die Welt zurückkehren – um unbelastet von der Vergangenheit neu zu beginnen.
Der Historiker Strabo war der Erste, der den Lima mit dem legendären Lethe identifizierte. Doch der Ursprung könnte noch älter sein. Seinem Bericht zufolge entstand der Name aus einem Vorfall zwischen Turdulen und keltischen Völkern: Während einer Expedition versuchten sie, diesen Fluss zu überqueren, gerieten in Konflikt, ihr Anführer wurde getötet, und die Überlebenden zerstreuten sich entlang der Flussufer – wobei sie die Mission, die sie dorthin geführt hatte, völlig vergaßen. Der Fluss, der das Vergessen bewirkt, war nicht nur eine Metapher. Er war die kollektive Erinnerung an einen tatsächlichen Zusammenbruch.
Im Jahr 135 v. Chr. erreichten die römischen Truppen von Decimus Junius Brutus das linke Ufer des Lima. Die Schönheit des Ortes überzeugte sie, dass sie am Fluss des Vergessens angekommen waren. Die Soldaten weigerten sich, ihn zu überqueren. Der Kommandant entriss dem Soldaten, der es trug, das Legionsbanner, spornte sein Pferd ins Wasser und überquerte den Fluss allein. Vom gegenüberliegenden Ufer rief er jeden Mann beim Namen – und bewies damit, dass er nichts vergessen hatte. Erst dann folgte die Armee. Brutus erwarb daraufhin den Beinamen Callaicus, Eroberer des heutigen Galiziens.
Ponte de Lima ist die älteste urkundlich erwähnte Stadt Portugals, die ihren ersten Freibrief am 4. März 1125 von Königin Theresa erhielt – noch bevor das Königreich Portugal überhaupt existierte. Die Brücke, die der Stadt ihren Namen gibt, ist in zwei unterschiedlichen Abschnitten gebaut: ein römischer Abschnitt aus dem ersten Jahrhundert, Teil des kaiserlichen Straßennetzes, und eine mittelalterliche Erweiterung, die im 14. Jahrhundert hinzugefügt wurde, als sich der Flusslauf nach Süden verlagerte. Es ist eine Brücke, die zwei Epochen gleichzeitig überquert.
Für diese Route ist Ponte de Lima nicht einfach eine schöne historische Stadt. Es ist der Ort, an dem das Vergessen einen Namen hat, wo die Erinnerung in den Wassern eines Flusses auf die Probe gestellt wurde und wo ein General seine Männer beim Namen rief, um zu beweisen, dass die Vergangenheit noch existierte. Auf einer Reise über Abstammung und Identität ist dies eine wesentliche Überquerung.
Wann du besuchen solltest: Das eindrucksvolle Denkmal zur Lethe-Legende steht an beiden Ufern des Lima. Ein berühmtes Azulejo-Panel von Almada Negreiros, an der Ecke des Stadtmarktes, stellt die Überquerung dar. Die römische und mittelalterliche Brücke ist als Nationaldenkmal klassifiziert.