Die St. Nicholas’ Church steht nahe der Themse im alten Deptford, in einem Gebiet, das einst eines der geschäftigsten Schiffbauviertel Englands war. Aus der Ferne wirkt sie wie eine ruhige Pfarrkirche, doch am Tor ändert sich der Ton schlagartig. In die Steinpfosten sind zwei geschnitzte Totenköpfe mit gekreuzten Knochen eingelassen: hohläugig, verwittert und unerschrocken, begrüßen sie jeden Besucher mit einer unverblümten Erinnerung an die Sterblichkeit. Sie gehören zu Londons eindringlichsten Memento Mori, die nicht im Piratentum, sondern in den alltäglichen Gefahren einer Flussgemeinschaft verwurzelt sind, die von Meer, Krankheit und Verlust geprägt wurde.
Entgegen einem populären Mythos haben die Schnitzereien keine direkte Verbindung zum Jolly Roger. Deptfords maritime Geschichte umfasst sicherlich Persönlichkeiten wie Sir Francis Drake und Captain James Cook, aber diese Schädel stammen aus einer Zeit vor der romantischen Piratenlegende. Sie stammen aus dem 16. bis 17. Jahrhundert und sind eher Memento Mori Warnungen und möglicherweise mit dem ehemaligen Beinhaus der Kirche verbunden (einem Raum, in dem Knochen aufbewahrt wurden, wenn der Kirchhof seine Toten nicht mehr fassen konnte).
Im Kirchhof wird die Atmosphäre milder, aber nie ganz leicht. Grabsteine neigen sich in unbehaglichen Winkeln, Inschriften lösen sich in Flechten auf und Ranken schlängeln sich durch die Eisengitter. Der ursprünglich mittelalterliche und später wiederaufgebaute Kirchturm hat Deptfords Wandel von einer königlichen Werft über ein Kriegsziel bis hin zu einem postindustriellen Flussufer miterlebt.
Die Identität der Kirche ist untrennbar mit der Themse verbunden. Dem Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seeleute, geweiht, diente sie einst einer Gemeinschaft, deren Leben an den Fluss und seine Risiken gebunden war.
Top 5 interessante Fakten:
Die Kirche hatte einst eine eigene „Reeperbahn“ für die Takelage von Schiffen.
Die Kirche war ein wichtiges Wahrzeichen für Tudor-Hinrichtungen an den Flussgalgen.
Ein kleines, hoch gelegenes Fenster im Turm wurde von Geistlichen genutzt, um den Kirchhof nachts zu beobachten und sicherzustellen, dass Grabräuber oder Schmuggler das Gelände nicht als Versteck nutzten.
Im 17. Jahrhundert wurden Pestopfer nach Einbruch der Dunkelheit bei Laternenlicht in St. Nicholas begraben, und der Kirchhof erlangte einen Ruf für unheimliche nächtliche Prozessionen.
Kleine nautische Schnitzereien sind auf dem Gelände verstreut und deuten darauf hin, dass Gemeindemitglieder informelle, mit ihrem Handwerk verbundene Spuren hinterlassen haben.