Mit über 300.000 Gräbern auf mehr als zwei Quadratkilometern ist diese riesige Nekropole der zweitgrößte Friedhof Europas (nach Ohlsdorf in Hamburg). Obwohl die Rangliste nur nach Größe geht, übersteigt die Zahl der hier Bestatteten drei Millionen. Sein Labyrinth aus von Bäumen gesäumten Alleen schafft eine Umgebung, in der Kunst, Musik und Sterblichkeit miteinander verschmelzen, was Wiens einzigartige kulturelle Faszination für den Tod perfekt widerspiegelt. Hier wird der Tod nicht versteckt, sondern angenommen, ritualisiert und in den Alltag integriert. Bemerkenswerterweise waren Wiener Beerdigungen einst aufwendiger als Hochzeiten!
Trotz seines Namens liegt der Friedhof am Stadtrand von Wien, ist aber mit den Straßenbahnlinien 71 oder 11 bis Zentralfriedhof 2 zum Haupteingang leicht zu erreichen.
Ende des 19. Jahrhunderts waren die Vorstadtfriedhöfe der Stadt überfüllt und nicht mehr ausreichend, was die Schaffung des Zentralfriedhofs in enormem Ausmaß förderte. Der Friedhof wurde am 1. November 1874 (Allerheiligen) eröffnet, doch seine Entfernung zum Stadtzentrum machte ihn zunächst unbeliebt. Aus diesem Grund entwickelten die Behörden kreative Wege, ihn attraktiver zu machen, darunter die Sicherstellung, dass eine Auswahl der größten Wiener Komponisten hier ihre letzte Ruhestätte finden würde.
Dies führte dazu, dass Beethoven und Schubert von ihren ursprünglichen Grabstätten hierher verlegt wurden, um Teil der Ehrengräber, der Ehrengräber, zu werden. In diesem Bereich, bekannt als Musikerviertel, findest du auch die Gräber von Brahms, Strauss, Schoenberg und Salieri. Diese Gedenkstätten sind nicht nur wunderschöne Kunstwerke, sondern auch Pilgerstätten für Liebhaber klassischer Musik.
Jenseits des Musikerviertels tauche tiefer in beide Seiten der zentralen Allee und der Kolonnade ein, die zur Kapelle führt, wo einige der aufwendigsten Jugendstil-Denkmäler des Friedhofs auf dich warten.
Markante allegorische Skulpturen, anmutige Frauenfiguren und ätherische Engel verwandeln die Landschaft in ein Freilichtmuseum der Grabkunst, das Trauer in Schönheit verwandelt. Einige meiner Lieblingsgräber in diesem Abschnitt sind:
Das Grab der „Weißen Dame“ von Milian Feigel und Theresia Feigel
Das große bronzene Baldachingrab des Wiener Bürgermeisters Johann Nepomuk Prix
Das Grab der „Dame, die eine Schlange füttert“ von Josef Weinlechner
Die Skulptur, oft „Der Kuss“ genannt, auf dem Grab von Alfred Hrdlicka und seiner Frau Barbara
Im Herzen des Friedhofs steht die Karl-Lueger-Gedächtniskirche, ein atemberaubendes Jugendstil-Meisterwerk. Von den äußeren Seitentüren kannst du in die Krypta hinabsteigen, um Luegers beeindruckendes Mausoleum zu finden (er war von 1897 bis zu seinem Tod 1910 Bürgermeister von Wien).
Wage dich abseits der ausgetretenen Pfade und erkunde die ruhigeren, weniger besuchten Ecken des Friedhofs. Wildtiere und Natur haben diese Bereiche zurückerobert und ihnen das Gefühl eines Naturschutzgebietes mit offener Parklandschaft verliehen. Einer der stimmungsvollsten und eindringlichsten Abschnitte ist der Alte Jüdische Teil zwischen Tor 1 und Tor 11 auf der Westseite. Im Gegensatz dazu zeigen zeitgenössische Gräber in der Nähe der Kapelle Wiens sich entwickelnden künstlerischen Ausdruck und seinen fortwährenden Dialog mit dem Tod.
Auf dem Friedhofsgelände findest du auch das Bestattungsmuseum, wo du mehr über Wiener Bestattungsbräuche, Trauerkleidung, Leichenwagen und sogar Notfallsärge erfahren kannst. Das Museum würdigt die anhaltende Neugier der Stadt auf die Sterblichkeit und spiegelt das berühmte Wiener Sprichwort wider: „Der Tod muss ein Wiener sein“ – der Tod muss ein Wiener sein.