Versteckt unter der Kapuzinerkirche liegt die Kaisergruft (auch bekannt als Kapuzinergruft „Gruft der Kapuziner“), die Hauptbegräbnisstätte der Habsburger-Dynastie seit dem 17. Jahrhundert.
Fast 650 Jahre lang, bevor ihre Herrschaft im Zuge des Ersten Weltkriegs zusammenbrach, war das Haus Habsburg die herrschende Dynastie Österreichs und großer Teile Europas. Die 1618 von Kaiserin Anna gegründete Gruft beherbergt heute rund 150 Mitglieder der Dynastie, deren Überreste in Sarkophagen von erstaunlicher Handwerkskunst eingeschlossen sind. Jeder Sarg ist mit kunstvollen memento mori: Bronzeschädeln, Skelettmotiven und Allegorien der Vergänglichkeit verziert – jede eine Erinnerung daran, dass selbst Könige dem Tod nicht entkommen können.
In den zehn Grabkammern ruhen die sterblichen Überreste von 12 Kaisern und 18 Kaiserinnen. Als symbolische Trennung von Körper und Seele wurden ihre Herzen von ihren Körpern getrennt und in silbernen Urnen in der Gruft der Augustinerkirche beigesetzt. Ihre einbalsamierten Eingeweide sind jedoch in der Herzogsgruft unter dem Stephansdom aufbewahrt (die du bei einer Krypta-Führung besichtigen kannst).
Wenn du vom Eingang hinabsteigst, betrittst du den ersten Raum der Gruft. Geradeaus, hinter einem barocken Gitter, liegt der älteste Teil, bekannt als die Gründergruft, die zwei truhenartige Sarkophage des Gründerpaares – Kaiserin Anna und Kaiser Matthias – beherbergt. Ursprünglich nur für das Paar gedacht, wurde die Gruft über Jahrhunderte erweitert, um die Überreste einer ständig wachsenden Dynastie aufzunehmen.
Die zentrale Halle, bekannt als Leopoldsgruft, liegt unter dem Kirchenschiff. 16 reich verzierte Barock-Sarkophage füllen die Kammer, bedeckt mit aufwendiger Grabkunst, die die barocke Faszination für den Tod und seine theatralische Zelebrierung widerspiegelt.
Von hier aus gelangst du in die spätbarocke Karlsgruft, erbaut zwischen 1710 und 1720 von Lukas von Hildebrandt. Diese Kammer beherbergt einige der beeindruckendsten und faszinierendsten Werke, darunter den Sarkophag Karls VI., verziert mit Schädeln, die Kronen des Heiligen Römischen Reiches tragen, begleitet vom monumentalen Sarg seiner Frau, flankiert von verschleierten Frauenköpfen in ewiger Trauer.
An diesem Punkt würdest du nicht denken, dass es noch beeindruckender werden könnte, aber dann betrittst du die Gruft von Kaiserin Maria Theresia, die ein noch größeres Meisterwerk offenbart! Hier erhebt sich vor dir in der Mitte ein monumentales Mausoleum im Rokoko-Stil, entworfen von Balthasar Ferdinand Moll. Der Doppelsarkophag von Kaiser Franz Stephan und seiner Frau, Kaiserin Maria Theresia, zeigt das Paar in friedlicher Ruhe auf dem Grab liegend, und wenn du dich bückst und darunter schaust, wirst du sehen, wie er von einem skulptierten Adler (einem Symbol kaiserlicher Macht) getragen wird.
Darüber flutet die Kuppeldecke den Raum mit Licht und ist exquisit mit Josef Ignaz Mildorfers dramatischem Fresko verziert. Diese strahlende Kammer dient als letzte Ruhestätte von sechzehn Personen: fünfzehn Habsburgern (einschließlich des Kaiserpaares und ihrer Kinder) und Gräfin Fuchs-Mollarth, der Gouvernante der Kaiserin.
Die folgenden Räume und Särge bilden einen starken Kontrast zur prächtigen Rokoko-Ornamentik. Ihre strenge Einfachheit schafft eine ergreifende Gegenüberstellung von Pracht und Bescheidenheit und erinnert uns daran, dass im Tod alle gleich sind.
Die Reihe schlichter, feierlicher Gewölbe führt dich zur Franz-Josephs-Gruft, wo die bekanntesten Habsburger der Geschichte liegen: Kaiser Franz Joseph I., seine Frau Kaiserin Elisabeth (Sisi) und der Thronfolger Kronprinz Rudolf. Sie sind vielleicht die bekanntesten Mitglieder der Habsburger Familie in der heutigen Kultur, teilweise dank der TV-Serie „Die Kaiserin“.
Kaiserin Elisabeth war aufgrund ihrer ätherischen Schönheit und ihres rebellischen Geistes als Volkskönigin bekannt, wurde aber 1898 in der Schweiz tragischerweise von einem italienischen Anarchisten ermordet. Kaiser Franz Joseph I., der letzte große Herrscher der Dynastie, starb 1916 an Lungenentzündung, was das Ende des Reiches markierte. Der dritte Sarg gehört Prinz Rudolf, der 1889 tragischerweise Selbstmord beging (nachdem er seine 17-jährige Geliebte ermordet hatte). Da Rudolf keinen männlichen Erben hinterließ, ging die Krone an Franz Josephs Neffen, Franz Ferdinand, dessen Ermordung 1914 maßgeblich zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs beitrug.
Die historische Gruft ist immer noch in Gebrauch, wobei die jüngste Beisetzung 2011 für den ehemaligen Kronprinzen und europäischen Politiker Otto Habsburg stattfand. Heute bietet die atmosphärische unterirdische Nekropole ein kontemplatives Erlebnis, das über die Vergänglichkeit von Leben und Macht nachdenkt und gleichzeitig das Habsburger Ethos von „Pracht im Leben, Gleichheit im Tod“ widerspiegelt.