Versteckt unter dem nördlichen Bogen der Tower Bridge liegt Dead Man’s Hole, einer der gruseligsten Orte Londons am Flussufer. Hinter Eisengeländern am Wasserrand gelegen, wurde diese kleine Kammer am Flussufer von der Thames Police genutzt, um von der Flut angespülte Leichen zu bergen und vorübergehend aufzubewahren, bevor sie identifiziert oder dem Gerichtsmediziner übergeben wurden.
Im viktorianischen Zeitalter war die Themse sowohl Londons belebteste Wasserstraße als auch eine der tödlichsten. Unfälle, Selbstmorde und Ertrinken waren tragischerweise häufig, während der Fluss auch die Opfer von Verbrechen verbarg. Wenn die Flut Leichen entlang des Ufers trug, wurden sie oft von Orten wie Dead Man's Hole geborgen, wo Polizei- und Bestattungsbeamte ihre ersten Untersuchungen durchführten.
Die Kammer selbst ist streng funktional. Ihre weißen glasierten Fliesen wurden nicht zur Dekoration, sondern aus hygienischen Gründen gewählt, da sie nach den Bergungsuntersuchungen leicht gereinigt werden konnten. Aus der Themse geborgene Leichen befanden sich nach Tagen im Wasser oft in einem fortgeschrittenen Verwesungszustand, während die Kraft der Gezeiten und die ständige Bewegung entlang des Flusses sie häufig stark beschädigten. Es war ein unbestreitbar düsterer Ort, aber einer, der einen wesentlichen Bestandteil des Systems des viktorianischen London im Umgang mit unbekannten Toten bildete.
Heute hat sich wenig geändert. Versteckt unter der Brücke und weitgehend unbeachtet von den Tausenden von Menschen, die täglich darüber hinweggehen, bleibt Dead Man's Hole eine eindringliche Erinnerung an die dunklere Vergangenheit der Themse, als der Fluss ebenso ein Ort des Todes wie des Handels und Transports war.
Top 5 interessante Fakten:
Der Name „Dead Man’s Hole“ ist viktorianisch. Eine unverblümte Widerspiegelung, wie häufig im 19. Jahrhundert Leichen aus der Themse geborgen wurden.
Die Kammer ist älter als die Tower Bridge. Sie wurde 1894, als der Bau abgeschlossen war, in die Fundamente der Brücke integriert.
Eiserne Haken sind noch an den Wänden. Sie wurden verwendet, um Bergungsausrüstung und Tragen während der Untersuchungen zu sichern.
Die Themse war einst Londons belebteste und tödlichste Wasserstraße. Starker Schiffsverkehr, starke Gezeiten und mangelnde Sicherheit führten dazu, dass Ertrinken häufig vorkamen.
Die Kammer ist immer noch den Gezeiten ausgesetzt. Das Wasser steigt und fällt weiterhin darin, genau wie damals, als es die Toten zu den Stufen trug.