Das St. Pancras London Hotel ist ein beeindruckendes Beispiel viktorianischer Neugotik. Entworfen von Sir George Gilbert Scott und in den 1870er Jahren fertiggestellt, entstand es in einer Zeit, in der mittelalterliche Formen, Ornamente und Symbolik durch die Brille viktorianischen Ehrgeizes und viktorianischer Vorstellungskraft neu interpretiert wurden.
Das Gebäude ist Teil des ursprünglichen Midland Grand Hotels, das an den Bahnhof St Pancras angeschlossen ist, und sollte ein Gefühl von Pracht und modernem Selbstbewusstsein vermitteln, während es stark auf gotische Architekturstile zurückgriff. Sein Äußeres und seine Innenräume sind geprägt von Spitzbögen, polychromem Mauerwerk, kunstvollen Eisenarbeiten und hohen Buntglasfenstern, allesamt charakteristisch für Scotts reich verzierte Herangehensweise an das neugotische Design.
Nirgendwo wird dies deutlicher als in der Großen Treppe. Als dramatischer Prozessionsraum konzipiert, steigt sie über mehrere Ebenen in einer Abfolge von Bögen, Säulen und gemusterten Oberflächen auf.
Überall auf der Treppe und in den umliegenden Innenräumen finden sich geschnitzte Fabelwesen unter den dekorativen Details. Zu den bemerkenswertesten gehören Wyvern, drachenähnliche Figuren aus der mittelalterlichen Heraldik und Folklore. Entlang von Balustraden und architektonischen Merkmalen platziert, dienen sie sowohl als Ornament als auch als symbolische Wächter und spiegeln die viktorianische Faszination für ritterliche Bilder und das romantisierte Mittelalter wider.
Heute zählt das Hotel zu den visuell markantesten Innenräumen Londons, wo der Ehrgeiz der viktorianischen Architektur immer noch deutlich ablesbar ist. Trotz seiner modernen Restaurierung und zeitgenössischen Nutzung bewahrt das Gebäude seinen ursprünglichen Sinn für Dramatik und Ornamentik und ist damit einer der eindringlichsten erhaltenen neugotischen Räume der Stadt.
Top 5 interessante Fakten:
Das Gebäude wurde 1873 als Midland Grand Hotel eröffnet und sollte das luxuriöseste Eisenbahnhotel der Welt werden.
Das rot-goldene Farbschema der Treppe stammt aus der viktorianischen Zeit und wurde mittels historischer Farbanalyse restauriert.
Die Decke ist mit goldenen Sternen bemalt, um einen mittelalterlichen Nachthimmel zu evozieren – ein Kennzeichen der neugotischen Romantik.
Die eisernen Balustraden wurden im 19. Jahrhundert handgeschmiedet und weisen aufwendige organische Muster auf.
Das Hotel wurde 1935 geschlossen und die Treppe verfiel jahrzehntelang, bevor sie restauriert wurde.